Last Updated on 6. März 2026 by autor

In den Jahren 2024 und 2025 hat sich die Rolle von Banken und deren Asset-Management-Töchtern als Aktionäre grundlegend gewandelt. Es reicht nicht mehr aus, „braune“ Unternehmen einfach aus dem Portfolio auszuschließen (Divestment). Stattdessen setzen immer mehr Finanzinstitute auf Active Ownership – die aktive Einflussnahme auf Unternehmen, um diese zu einer nachhaltigeren Geschäftsweise zu bewegen. Die beiden wichtigsten Instrumente hierfür sind das Engagement (der direkte Dialog mit der Unternehmensführung) und das Voting (die Ausübung von Stimmrechten auf Hauptversammlungen). Durch diese Strategien nutzen Banken ihre Marktmacht, um die grüne Transformation der Realwirtschaft aktiv mitzugestalten.

Für Banken ist Active Ownership ein wesentlicher Bestandteil ihrer Fiduciary Duty (treuhänderischen Pflicht). Da Nachhaltigkeitsrisiken den langfristigen Wert von Unternehmen beeinflussen, müssen Banken im Interesse ihrer Kunden sicherstellen, dass diese Risiken angemessen gemanagt werden. Zudem fordern Regulatoren wie die BaFin und die EU-Aktionärsrechterichtlinie (SRD II) eine höhere Transparenz über die Mitwirkungspolitik von institutionellen Anlegern [1].

1. Engagement: Der strategische Dialog für den Wandel

Unter Engagement versteht man den kontinuierlichen Austausch zwischen der Bank und den Unternehmen, in die sie investiert. Ziel ist es, das Bewusstsein für ESG-Themen (Environmental, Social, Governance) zu schärfen und konkrete Verbesserungen zu bewirken:

  • Klimaschutz: Banken fordern von Unternehmen die Festlegung von wissenschaftsbasierten Net-Zero-Zielen (SBTi) und die Offenlegung von CO2-Reduktionspfaden.
  • Soziale Standards: Im Dialog geht es oft um die Einhaltung von Menschenrechten in der Lieferkette, Diversität im Vorstand oder faire Arbeitsbedingungen.
  • Governance: Themen wie die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats, die Transparenz der Vorstandsvergütung und Maßnahmen gegen Korruption stehen im Fokus.

Banken schließen sich oft in Investoreninitiativen wie Climate Action 100+ zusammen, um mit gebündeltem Kapital mehr Druck auf große Emittenten auszuüben. Wenn der Dialog über einen längeren Zeitraum keine Früchte trägt (Eskalationsstrategie), kann dies letztlich zum Divestment führen [2].

2. Voting: Die Stimme für die Nachhaltigkeit auf der Hauptversammlung

Das Stimmrecht auf der Hauptversammlung ist das mächtigste rechtliche Instrument eines Aktionärs. Banken nutzen ihr Voting heute gezielt für Nachhaltigkeitsziele:

  • Ablehnung von Vorstandsberichten: Wenn ein Unternehmen keine ausreichende Klimastrategie vorlegt, stimmen Banken gegen die Entlastung von Vorstand oder Aufsichtsrat.
  • Unterstützung von Aktionärsanträgen: Immer häufiger stellen NGOs oder andere Investoren Anträge zu ESG-Themen (z.B. Forderung nach einem Bericht über Plastikmüll oder Lobbying-Aktivitäten). Nachhaltig orientierte Banken stimmen diesen Anträgen zunehmend zu („Say on Climate“).
  • Wahl von Aufsichtsräten: Banken achten bei der Wahl von Kontrollgremien auf deren ESG-Expertise und Unabhängigkeit [3].

3. Transparenz und Reporting: Die Mitwirkungspolitik

Seit 2024 sind die Anforderungen an die Berichterstattung über Active Ownership massiv gestiegen. Im Rahmen der CSRD und der SFDR müssen Banken offenlegen:

  • Ihre Mitwirkungspolitik: Wie integrieren sie ESG in ihre Aktionärsrechte?
  • Ihr Abstimmungsverhalten: Wie haben sie bei bedeutenden Beschlüssen gestimmt?
  • Die Ergebnisse des Engagements: Welche Fortschritte wurden bei den kontaktierten Unternehmen erzielt?

Viele Banken veröffentlichen mittlerweile detaillierte „Voting & Engagement Reports“, die für Anleger ein wichtiges Qualitätsmerkmal für nachhaltiges Asset Management sind [4].

4. Herausforderungen: Ressourcen und Interessenkonflikte

Ein effektives Engagement erfordert hohe personelle Ressourcen und tiefes Fachwissen. Banken müssen Heerscharen von Analysten beschäftigen, um die Nachhaltigkeitsleistung von Hunderten von Unternehmen zu bewerten. Zudem können Interessenkonflikte entstehen, wenn eine Bank gleichzeitig Kreditgeber und Aktionär eines Unternehmens ist. Eine klare Trennung der Geschäftsbereiche und transparente Richtlinien sind hierfür unerlässlich [5].

5. Ausblick 2025: Kollaboratives Engagement und KI

Im Jahr 2025 wird das kollaborative Engagement weiter an Bedeutung gewinnen. Investoren werden sich noch stärker vernetzen, um globale Standards durchzusetzen. Zudem wird der Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Analyse von Tausenden von Abstimmungsvorlagen und Nachhaltigkeitsberichten automatisieren, was die Effizienz des Votings erhöht. Ein weiterer Trend ist das „Client-Directed Voting“, bei dem Endkunden von Fonds direkt mitbestimmen können, wie ihre Stimmrechte ausgeübt werden sollen [6].

6. Fazit: Mitbestimmung als Motor der Transformation

Engagement und Voting sind die schärfsten Schwerter der nachhaltigen Finanzwirtschaft. In den Jahren 2024 und 2025 ist Active Ownership zum Standard für jedes seriöse nachhaltige Investment geworden. Banken, die ihre Rolle als aktive Aktionäre wahrnehmen, tragen entscheidend dazu bei, dass Unternehmen ihre Geschäftsmodelle zukunftsfähig und ökologisch verantwortlich gestalten. Für Anleger ist das Abstimmungsverhalten ihrer Bank ein klarer Indikator dafür, wie ernst diese es mit der Nachhaltigkeit meint. Geld ist Macht – und durch Voting und Engagement wird diese Macht für eine bessere Zukunft genutzt.

Referenzen

  1. Principles for Responsible Banking – UNEP FI
  2. Climate Action 100+ – Global Investor Initiative
  3. Finanzielle Nachhaltigkeit – BaFin
  4. Active Ownership im Asset Management – PwC Deutschland
  5. Engagement und Voting – Bankenverband
  6. Stewardship and Engagement – PRI